Medizinische Ökologie – eine biologische Erfahrungsmedizin

Von Dr. Eleonore Procházka

In den 1940er Jahren hat Theron G. Randolph in Chicago die “Klinische Ökologie” entwickelt (clinical ecology), – für Laien verständlicher als medizinische Ökologie – eine biologische Erfahrungsmedizin, zunächst als Ernährungsmedizin, aus der um 1950 die Anfänge der Umweltmedizin hervorgingen, denn er hat entdeckt, dass neben maskierten Allergien auch Umweltgifte chronische körperliche und psychische Beschwerden verursachen können. Medizinische Ökologen behandeln keine Symptome, sondern suchen die Ursachen von chronischen Krankheiten.

Eine Ernährungsmedizin

Randolph hat entdeckt, dass die chronischen Krankheiten seiner Patienten besser wurden – oft sehr schnell –, wenn sie ihre “Lieblingsspeisen” wegließen. Das bedeutet, dass sie maskierte Allergien hatten, Stress für ihren Organismus. Er entwickelte die Rotationsernährung im vier-Tage-Rhythmus, um die Abstände der Aufnahme bestimmter Lebensmittel der Verdauung anzupassen, dadurch ihre Verträglichkeit zu verbessern und Allergien zu verhindern.

Die maskierte Allergie -eine Sucht

Allergien vom Soforttyp mit Schwellung, Rötung, Juckreiz und Niesen kennen wir alle. Die maskierte Allergie, das Grundphänomen dermedizinischen Ökologie, ist verborgen, nicht erkennbar und läuft nach den drei Anpassungsstadien an einen Stressor ab, die Hans Selye als Suchtmechanismus beschrieben hat. Es ist das große Verdienst Randolphs, “seine” maskierte Allergie als Sucht erkannt zu haben.

Abhängigkeiten können entstehen

  • durch zu häufigen Konsum
  • aufgrund einer Hypoglykämie durch viel Zucker, Weißmehl, Coffein, Alkohol, Gifte und anderen Stress
  • durch natürliche Inhaltsstoffe in täglichen Lebensmitteln wie Exorphine in Milch, Gluten und Hülsenfrüchten wegen ihres Suchtpotentials
  • und durch Zusatz von suchtfördernden Substanzen in Industriekost und Tabakwaren.

Das Alarmstadium entsteht beim ersten Kontakt mit einem Stressor und löst eine Andersreaktion (Allergie) aus, die oft nicht beachtet wird.

Im Anpassungsstadium bei wiederholter Aufnahme mobilisiert unsere Abwehr alle Kräfte, um sich an den Stress anzupassenals Überlebensstrategie. Dabei verschwindet die Allergie unter ständigem Verbrauch von Lebenskraft, denn solange der Körper sie “maskieren” kann, ist äußerlich nichts erkennbar. Wer euphorisch wird, neigt dazu, die entsprechende Speise immer wieder zu essen, mit steigendem Bedarf, weil die Wirkung geringer wird im Verlauf der Sucht. So erfolgt die Erschöpfung des Körpers schneller. Das Erschöpfungsstadium tritt ein, wenn im Lauf der Zeit die Abwehrkräfte nachlassen oder zusätzlich besonderer Stress einwirkt. Dann entstehen schleichend Krankheiten, die chronisch werden und sich verstärken können bis zum vorzeitigen Tod. Werden die Ursachen ausgeschaltet (das ist Detektivarbeit), kann diese Entwicklung gestoppt und sogar rückgängig werden durch Meiden Individueller Stressfaktoren.

Wie erscheint die maskierte Allergie?

Die Entwicklung der Symptome hängt ab von der Häufigkeit, Stärke und Dauer der Einwirkung der Stressfaktoren und von der Konstitution der/des Betroffenen. Aufgrund sehr genauer Beobachtungen hat Randolph seine Tabelle der Hochs und Tiefs der Sucht erstellt, an der sich leicht der jetzige Stand eines Patienten und seine mögliche Entwicklung ablesen lässt. Häufig kränkelnde Kinder (und Erwachsene) zeigen erste Anzeichen von maskierter Allergie mit Hals-, Nasen- Ohrenbeschwerden, juckenden Hautausschlägen (Neurodermitis), Schnupfen, Husten, Atemnot, Asthma, auch Darmschäden wie Blähungen, Durchfall oder Verstopfung, Kolik, Harndrang (z. B. Bettnässen), Mandel- oder Blinddarmentzündung, wobei nach bisherigem Verständnis das Symptom weggeschnitten wird, statt die Ernährung zu verändern. Die systemische Entwicklung führt dann in Stufen über jahrelange Schmerzzustände wie Rheuma, Gliederschmerzen, Kopfschmerzen, Migräne … weiter über psychische Einbrüche mit geistiger Erschöpfung, leichten Depressionen und Denkstörungen und schließlich zu schweren Depressionen, Psychosen, Halluzinationen, Gedächtnisverlust und Koma. In den Plus-Phasen ist das Befinden zunächst normal = aktiv, munter, lebhaft …, dann hyperaktiv, reizbar, hungrig und durstig (bekannt vom “ADHS”-Syndrom), schließlich hypomanisch, wie betrunken, aggressiv, geschwätzig, überdreht, redelustig … und zuletzt manisch, verwirrt, aufgeregt, ruhelos, aufgebracht und in Panik, mit Zuckungen, Krampfanfällen (Epilepsie) u. a.

Die zeitliche Entwicklung und Vielfalt chronischer Beschwerden ist deutlich erkennbar. Wieviel schlimmer werden die jeweiligen Zustände, wenn ein häufiger Wechsel zwischen Anregung und Entzug erfolgt, wie es im Leben geschieht. Die Betroffenen können von einem Extrem ins andere fallen, je nachdem, ob sie einem Stressor ausgesetzt sind (Hoch, plus) oder ob sie ihn gerade entbehren (das Verlangen der Sucht, Tief, minus). Häufigste Auslöser sind erfahrungsgemäß Zucker, Milch- und Glutenprodukte, Kaffee und andere Suchtmittel, je nach Konsum. Sie müssen gezielt und länger gemieden werden, Monate, manchmal lebenslang (genetische Disposition? ).

Die Hochs und Tiefs der Sucht

Anweisungen: Beginnen Sie bei Null (0). Lesen Sie nach oben die Anregungsstadien; nach unten die Entzugsstadien

Schlecht angepasst Zerebrale und Verhaltensreaktionen Angepasste Reaktionen ++++ Manisch, mit oder ohne Krämpfe verwirrt, aufgeregt, ruhelos, aufgebracht und in Panik. "Kurzschluss"- oder eingleisiges Denken, Muskelzucken und Zuckungen der Extremitäten, Krampfanfälle und Bewusstseinsveränderungen können auftreten.
  +++ hypomanisch, wie betrunken und egozentrisch aggressiv, geschwätzig, unbeholfen (ataktisch), ängstlich, furchtsam und besorgt; Wechsel zwischen Schüttelfrost und Hitzegefühl, Heißhunger, übermäßiger Durst. Kichern oder krankhaftes Lachen können auftreten.
Angepasste Reaktionen ++ hyperaktiv, reizbar, hungrig und durstig verkrampft, nervös, überdreht, redelustig, streitsüchtig, empfindlich, übertrieben reagierend, egozentrisch, hungrig und durstig; plötzliches Erröten, Schweißausbrüche und Schüttelfrost können auftreten, ebenso Schlaflosigkeit, Trunksucht und Fettleibigkeit.
  + angeregt, aber relativ symptomfrei aktiv, munter, lebhaft, zugänglich und enthusiastisch, rücksichtslos ehrgeizig, energisch, initiativ und geistvoll. Kümmert sich um Meinungen und Handlungen anderer. Ublicherweise wird dies als "normales" Verhalten betrachtet.
  0 ausgeglichenes Verhalten, “Homöostasis” ruhig, ausgeglichen, vernünftige Reaktionen. Kinder erwarten es von ihren Eltern und Lehrern. Eltern erwarten dies von ihren Kindern. Wir alle erwarten dies von unseren Mitmenschen.
Schlecht angepasst systemische Reaktionen - lokalisierte allergische Erscheinungen Schnupfen oder verstopfte Nase, Räuspern, Husten, Atemnot, Asthma, Hautjucken (Ekzem und Ausschlag), Blähungen, Durchfall, Verstopfung (Kolitis), Harndrang und verschiedene Syndrome der Augen und Ohren.
Schlecht angepasst lokalisierte Reaktionen -- systemische allergische Erscheinungen müde, benommen, schläfrig, leicht depressiv, ödematös mit schmerzhaften Syndromen (Kopfweh, Nackenschmerzen, Rückenschmerzen, Neuralgie, Muskelschmerzen, Muskelentzündung, Gelenkschmerzen, Arthritis, Arterienentzündung, Schmerzen im Brustkorb) und kardiovaskuläre Wirkungen*).
Schlecht angepasst fortgeschrittene Entzugsreaktionen --- geistige Erschöpfung, leichte Depression und Denkstörungen konfus, unentschlossen, launisch, traurig, mürrisch, introvertiert oder apathisch. Emotionale Labilität und Störungen der Aufmerksamkeit, der Konzentration, des Verständnisses und der Denkabläufe (Sprachverlust, geistiger Verfall und Gedächtnischwund).
  ---- schwere Depression mit oder ohne Bewusstseinsveranderung teilnahmslos, lethargisch, stumpfsinnig, desorientiert, melancholisch, unkontrolliertes Verhalten, regressives Denken, paranoide Orientierung, Wahnvorstellungen, Halluzinationen, gelegentlich Gedächtnisverlust und Koma.
*) kardiovaskuläre Erscheinungen einschließlich schneller und unregelmäßiger Puls, Bluthochdruck, Venenentzündung, Anämie, Neigung zu Blutungen und Blutergüssen können in jedem Stadium auftreten.

 

Wie findet man die maskierte Allergie?

  • Mit detaillierter Anamnese (Krankengeschichte)
  • einem genauen Ernährungstagebuch
  • mit stufenweisem Ausschleichen und Weglassen der auffälligen Lebensmittel (Erfahrungssache)
  • und verschiedenen Testverfahren als Provokationstest:
  • Esstest mit dem Pulstest oder Unterzungentest
  • mit feinenergetischen Methoden aufgrund von Resonanzschwingungen u. a.
  • immunologisch (IgG ist erhöht)

Ziel ist es, herauszufinden, was für welches Symptom verantwortlich ist. Vorsicht, heftige Reaktionen im Entzug beim Weglassen und bei der Provokation im Test können gelegentlich auftreten (wie Asthmaanfall, Herzattacke u. a.), ein Stress, der den Organismus sauer macht und den Säure-Basen-Haushalt verschiebt. Diese Symptome können abgepuffert (neutralisiert) werden mit Natrium- und Kalium-Bikarbonat (Randolphs basischer Mischung 2: 1) oder anderen Bikarbonatpräparaten. Ist kein medizinischer Ökologe erreichbar, stoppen Sie notfalls jeden Entzug sofort, indem Sie das Allergen wieder zu sich nehmen. Dann müssen Sie von vorne anfangen,

noch langsamer ausschleichen (Dosis und Häufigkeit schrittweise reduzieren) über mehrere Tage pro Stufe. Je nach Symptom sollten Sie sich zur Sicherheit medizinisch-ökologisch begleiten lassen, wenigstens per Telefon. Der Entzug ist unausweichlich, um “clean” zu werden (3-4 Tage). Solange Sie ein Allergen essen, haben Sie die entsprechenden Symptome des Erschöpfungsstadiums.

Wenn das Fass voll ist …

Medizinische Ökologen stellen das Immunsystem gerne als ein Fass dar. Was immer uns an Stress begegnet, trägt dazu bei, das Fass zu füllen. Läuft es über, ist unser Entgiftungspotential erschöpft und es entstehen Symptome, auch abhängig von Nährstoffmangel. Jede Maßnahme, die im Fass Platz schafft, verbessert Ihr Befinden: Ernährungsumstellung (an erster Stelle) und Ausschalten von Umwelteinflüssen. Auch andere Methoden wie Meditation, Musik und Tanz, Chi Gong und vieles mehr können hilfreich sein.

Allein durch konsequentes Meiden der Allergene können die Symptome verschwinden.

Was steckt hinter der maskierten Allergie?

Neben Belastungen aus der Umwelt können auch genetische Eigenheiten Ursachen sein wie die Blutgruppe, Enzymmangel (Laktase! ) oder die Pyrrolurie, ein Symptom bei Mitochondropathien, bei denen die Kraftwerke (Energie! ) im Inneren der Zellen geschädigt sind. Solche Leute haben einen ausgeprägten Energiemangel und Sauerstoffhunger.

Umweltmedizin und neue Psychiatrie

Hier treffen wir auf die Umweltmedizin, zu der Randolph die medizinische Ökologie weiter entwickelt hat, als er schon 1950 entdeckte, dass körperliche Krankheiten durch Pestizide und andere Chemikalien in Nahrung und Umgebung und (1951) dass auch psychische und Verhaltensstörungen als Folge von Giften entstehen können. Bis heute haben die Schulpsychiater diese wichtigen Erkenntnisse ignoriert, obwohl Randolph sogar selbst auf ihren Fachkongressen darüber berichtet hat. Die Psychiatrien sind immer noch voller Allergiker und Vergifteter.

Flüchtige Substanzen

Besonders gefährlich sind flüchtige Substanzen, die zu toxischer Encephalopathie (TE) führen können. Sie gelangen über die Nase direkt ins Gehirn, ins limbische System, in dem die Gefühle und das Verhalten gesteuert werden. Im Alltag sind das alle Gerüche von Abgasen, Tabakrauch (kann Psychosen hervorrufen), Parfüm, Kosmetik, Pestizidnebel, Putzmittel, Wohngifte aller Art, besonders in der Heizperiode. Empfindliche Kinder (ADHS, Hyperaktivität u. a.) und Erwachsene (MCS, CMS s. u.) können dabei regelrecht ausrasten oder total zusammenfallen, je nach individueller Disposition.

Ein einziger Kontakt (Sprühnebel in der Landwirtschaft, vom Kammerjäger oder selbst! ) kann eine Person so schädigen, dass sie überempfindlich wird und jedesmal bei erneutem Einatmen erhebliche Symptome erlebt, lokale und systemische, sogar Angst und Panik, eine Psychose oder Schizophrenie. Langzeitexpositionen bei geringen Dosen (Wohngifte und berufliche Exposition) sind noch wirksamer und können die Gesundheit nachhaltig ruinieren. Ganz zu Unrecht werden solche Patienten heute immer noch als Hypochonder oder Simulanten bezeichnet.

Schwere Krankheitsbilder wie MCS – Multiple Chemische Sensibilität (s. Rea) und CMS Chronisches Müdigkeitssyndrom, Zeichen von Mitochondropathien, zwingen die Betroffenen, dem modernen Lebensalltag fernzubleiben.

Oft hilft die einfache Regel von Doris Rapp, bei Missbefinden drei Dinge zu prüfen: was hat der Betroffene gegessen, getrunken, gerochen, bevor sein Problem anfing. Durch Rückerinnerung kann eine Spur gefunden werden, die dann analysiert wird (Rapp).

Eine extrem empfindliche Nase als biologisches Frühwarnsystem kann vor Schaden bewahren (Vorsorge), wenn man sofort die Flucht ergreift, erst einmal ins Freie!

Die Suche nach den Giften

Randolph war der erste Mediziner, der mit zahlreichen Schriften und Vorträgen auf unsere toxische Lebenssituation aufmerksam gemacht hat. Er hat eine sehr ausführliche Anamnese hinterlassen und schon früh seine Patienten in ihren Häusern aufgesucht, um Ursachen für ihr Kranksein zu finden: Gasheizung oder -herd, die Garage unter der Wohnung, womöglich unterm Schlafzimmer, Geruch nach Heizöl, Rauch aus dem offenen Kamin, Ausdünstungen von PVC, Formaldehyd, Holzschutzmitteln usw. Am schlimmsten sind Tabakrauch und die allgegenwärtigen chemischen Parfümstoffe, weil man kaum ausweichen kann.

Nur baubiologische Häuser können vor Wohnschäden bewahren. Man kann nicht vorsichtig genug sein, denn die Schäden sind schwer zu beheben.

Heilung?

Expositionsstop ist das oberste Gesetz der Toxikologie. Das heißt, gründlich sanieren. In reiner Luft, mit sorgfältiger Rotationsernährung (maskierte Allergien schwächen alle Körpersysteme) und mit Hilfe von Entgiftungs – und Regenerationstherapien kann Besserung oder sogar Heilung gelingen.

Umweltmediziner sind die einzigen, die Umweltschäden erkennen, weil sie entsprechend dem Bedarf ihrer Patienten biologisch, biochemisch und toxikologisch arbeiten und forschen und die entscheidenden Untersuchungen machen. Mit speziellen Mikronährstoff-Therapeutika (Orthomolekularmedizin) wird entgiftet und die Abwehr regeneriert, denn Gifte verbrauchen jede Menge Nährstoffe.

Noch habe ich nicht über Schwermetalle berichtet: über die flächendeckende iatrogene (ärztliche) “Versorgung” der Bevölkerung mit Quecksilber (in Amalgam) und anderen Zahnfüllungen (z. B. Palladium, toxischen Kunststoffen und Klebern) und das “spannende” Gemisch von verschiedenen Metallen in einem Mund!

Auch Impfstoffe enthalten Giftstoffe wie Metalle, Formaldehyd und Antibiotika.

Immer mehr Kinder und Jugendliche erleben eine gestörte Entwicklung aufgrund der toxischen Gesamtsituation, geraten schon in jungen Jahren in psychische Ausweglosigkeit und enden voller Verzweiflung mit dem Suizid.

Literatur

  • Kuklinski B: MCS und CFS- Einzelsymptome einer mitochondrialen Multisystemerkrankung. Umwelt-Echo, Heft 21, IV. Quartal 2004
  • Procházka E: Warum essen Delphine keinen Käse? Einführung in die medizinische Ökologie (in Arbeit)
  • Randolph Th/ Moss: Allergien: Folgen von Umweltbelastung und Ernährung. C. F. Müller 1984 (jetzt erhältlich über Baerens & Fuss Verlag, Schwerin, www. baerfuss. de)
  • Rapp D: Ist das ihr Kind? Medi Verlag 1996
  • Rea, W. Chemical sensitivity. Lewis Publishers 1992, 4 Bände Runow K-D: Klinische Ökologie. Ange
  • wandte Umweltmedizin. Hippokrates. 1994
  • Dr. Eleonore Procházka Hörnum/Sylt


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