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Pyrrolurie, Vitamin B6 und Zink
therapeutische Erfolge und offene Fragen
von Dr. med. Hannes Kapuste* (gekürzt)
*) Institut für Ausbildungsforschung GmbH Friedrich-Ebert-Str.
4. 69239 Neckarsteinach; Telefon 06229-2077, Fax: -2076
Anstatt Pfeffer und Salz
Carl C. Pfeiffer, der Pionier der Orthomolekularmedizin, der sich
im letzten Jahrzehnt seines Lebens so engagiert um die
Entwicklung im deutschen Sprachraum bemüht hat, sagte in seinen
Vorträgen manchmal: Es wäre besser, wenn die Leute,
anstatt beim Essen noch einmal mit Pfeffer und Salz zu würzen,
Vitamin B6 und Zink dazu nehmen würden. Bei den grossen
Verlusten von Zink (aber auch anderen Mineralien) durch die
Raffinierung unserer Nahrungsmittel und angesichts der vielen
Vitamin B6-Antimetaboliten, die uns in Form von Treibstoff für
Militärflugzeuge (Hydrazine) oder auf Tabakpflanzen gesprüht,
ja sogar als Mittel zur Hemmung der Reifung auf Pfirsichen,
Nektarinen, Tomaten, Weintrauben und Äpfeln erreichen (15, 44),
ist diese Empfehlung nicht viel zu weit gegangen. Es ist aber
nicht nur die Umweltbelastung, die bei so vielen Menschen heute
einen besonderen Bedarf an B6 und Zink verursacht.
Eine genetische Besonderheit Individuelle
Besonderheiten sind oft biochemisch, genetisch geprägt und
erlauben nicht selten am Punkt dieser Prägung mit Nutrienten
einzugreifen. Dieses allgemeine Konzept der Nutriologie ist seit
langem gut beschrieben (1-12). Eine der interessantesten dieser
genetotrophischen, also genetisch geprägten und nutriologisch
beeinflussbaren, Besonderheiten ist die Malvaria oder Pyrrolurie,
die zu einer kombinierten Abhängigkeit von Vitamin B6 und Zink
führt. Pyrrole sind Bausteine des Häms und werden normalerweise
nicht frei im Urin, sondern in Gallenfarbstoffen zu viert
aneinander gebunden mit dem Stuhl ausgeschieden. In freier Form
haben sie eine chemische Affinität zu Pyridoxal- 5-phosphat, der
aktiven Form des Vitamin B6, und bilden damit einen Zink-chelierenden
Komplex, der mit dem Urin ausgeschieden wird. Das führt zu der
kombinierten Defizienz.
Die Pyrrolurie ist weit verbreitet und führt aufgrund des
kombinierten Mangels zu vielen spezifischen, oft leicht zu
behandelnden Störungen. Die Kenntnis der Pyrrolurie gehört zum
Allgemeingut der Orthomolekularmedizin (7- 16). Obwohl diese
biochemische Besonderheit seit bald 20 Jahren wissenschaftlich
geklärt (17- 30) und seitdem kontinuierlich bestätigt wurde, (31-37)
hat die Schulmedizin darauf bis heute nicht offiziell reagiert,
und in psychiatrischen Anstalten muss man sogar feststellen, dass
die nötigen Supplementierungen Geisteskranker, wie von
ganz oben gesteuert, konsequent unterbunden werden (40).
Wegen der reichen und weit über die Psychiatrie hinausgehenden
therapeutischen Möglichkeiten, die gerade mit dieser
biochemischen Besonderheit verbunden sind, soll die Pyrrolurie
hier ausführlich belegt und besprochen werden.
Auch eine Sonderbegabung
Abgesehen von den häufigen persönlichen und
pädagogischenProblemen und den somatischen und psychiatrischen
Gefährdungen, die mit dem kombinierten Mangel an Vitamin B6 und
Zink verbunden sind, kann die Pyrrolurie über eine spezifische
Störung des auditiven Kurzgedächtnisses zu einer
defektbedingten Sonderbegabung führen. Diese hängt damit
zusammen, dass Menschen mit Pyrrolurie sich von dem, was sie
hören, nur das merken können, was sie verstehen. Man erkennt
das bei diesen Menschen an einer fehlenden Traumerinnerung, einem
schlechten (akustischen) Namengedächtnis, dem häufigen Verlegen
von Gebrauchsgegenständen und an einer typischen Art von
Zwischenfragen beim Zuhören, mit denen sie - jeweils nach Ende
einer Gegenwartsspanne von 10 Sekunden - klären, was sie eben
nicht verstehen konnten. Dieses fehlende Gedächtnis für nicht
verstandene akustische Information führt nun unter guten
pädagogischen Bedingungen zu einer besonderen
Gedächtnisstruktur, in der alles, wie an roten Fäden
aufgehängt, in sinnvollen Zusammenhingen erinnert wird. Diese
Eigenschaft kann sehr wertvoll sein und in mündlichen Prüfungen
und bei Aufgaben, bei denen Übersicht oder Analyse von
Zusammenhängen gefordert sind, als Hochbegabung imponieren. Die
damit verbundene Unfähigkeit der Pyrroluriker, sich reine Fakten
und verbreitete, aber nicht einer klaren Ethik zu entnehmende
Regeln zu merken, führt bei vielen der Betroffenen
kompensatorisch zu einer besonderen Aufmerksamkeit in der
zwischenmenschlichen Kommunikation. Das beruht auf dem realen
Bedürfnis, sich von der normaleren Spezies Mensch korrigieren zu
lassen, wenn die eigenen Ideen - infolge mangelhafter Kenntnis
der Fakten - an der Wirklichkeit vorbei führen könnten. In
geeigneten komplementären Beziehungen sind diese Menschen so zu
recht ungewöhnlichen und oft wertvollen Leistungen befähigt, z.B.
in Bezug auf die Klärung moralischer Widersprüche oder die
Erkenntnis komplexer Zusammenhinge. Pfeiffer beschreibt z.B.
Charles Darwin als Pyrroluriker.
Behandlung der Störungen
Die Kehrseite dieser defektbedingten Begabungen liegt in einer
typischen Stressunverträglichkeit. Dabei kann es passieren, dass
der Versuch, eine Unordnung aufzuräumen, wegen der dauernden
Kurzgedächtnisfehler bei der Übernahme der
Gegenwartsinformation aus dem Ultrakurzzeitgedächtnis (so nennt
man die Gegenwartsspanne von 10 Sekunden auch) nicht gelingt und
sogar zu Vermehrung der Unordnung führt. Bei Anblick des so
entstandenen Chaos neigen geschulte Psychiater dazu, eine
schizophrene Psychose zu diagnostizieren. Da Menschen mit
Pyrrolurie unter Stress tatsächlich mit grossen Ängsten
verbundene Zustande erleben können, kann das zur Einlieferung in
eine psychiatrische Anstalt führen. Wie der pavor nocturnus
pyrrolurischer Kinder vergehen diese Angstzustände in den
meisten Fällen mit allen genannten Symptomen bei Behandlung mit
höheren Dosen von Vitamin B6, nach Pfeiffer binnen Stunden und
Tagen, nach eigenen Erfahrungen oft binnen Minuten, mit Pyridoxal-5-Phosphat
sublingual auch sofort. Man supplementiert Pyrroluriker auf Dauer
mit Vitamin B6 und Zink: B6 morgens in individuell nach dem
Eintreten der Traumerinnerung bestimmten hohen Dosen von 50 bis
300, manchmal 1000 und mehr Milligramm, und Zink vor dem Schlafen
in normalen Dosen von 15 bis 30 mg als Picolinat, Citrat,
Aspartat, Orotat, Glukonat oder auch Sulfat.
Genie und Wahnsinn
In den beschriebenen Phänomenen der Pyrrolurie liegt sicher ein
gut Teil Erklärung für lange schon gesehene Zusammenhänge
zwischen Genie und Wahnsinn. Obwohl Pfeiffer 30% der
Schizophrenen auf Pyrrolurie zurückführt und in manchen
Familien pyrrolurische Psychosen tatsächlich gehäuft auftreten,
liegt aber die Wahrscheinlichkeit, eine psychiatrisch
diagnostizierte Psychose zu erleben, bei Pyrrolurikern höchstens
in der Grössenordnung von 5%. Da damit die Hochbegabungen die
Psychosen überwiegen, ist die Pyrrolurie auch ohne Behandlung
mit Supplementen im Verlauf der Zeiten nicht ausgestorben.
Psychiatrische Fehlbehandlung
Wegen ihrer bisherigen Missachtung dieser Zusammenhänge und
klinischen Erfahrungen ist die übliche Behandlung durch die
Schulpsychiatrie den Menschen mit Pyrrolurie nicht förderlich.
Die traditionell-psychiatrischen Kategorien klassifizieren diese
Menschen falsch. Die psychiatrische Regelbehandlung mit
Neuroleptika schadet den Pyrrolurikern körperlich, und
persönlich setzen die typischerweise nicht ehrlichen
Umgangsformen der Psychiater diesen auf Redlichkeit angewiesenen
Menschen sehr zu. Man muss daher davon ausgehen, dass ein Drittel
aller sogenannten schizophrenen Patienten vernichtend falsch
behandelt werden. Unter den etwa 9 Millionen deutsch sprechenden
Menschen der pyrrolurischen Spezies sind das etwa 300 000
irgendwann in ihrem Leben wegen einer Psychose psychiatrisch
behandelte Menschen. Da deren typische Störungen vielfach leicht
und verlässlich mit Pyridoxin und Zink zu beheben sind, findet
der nutriologisch denkende Arzt in der Pyrrolurie eine
ungewöhnlich dankbare therapeutische Aufgabe.
Geschichte der Pyrrolurie
Die Entdeckung von Kryptopyrrol (KP) im Urin von LSD-behandelten
Personen war tatsächlich das Ergebnis einer gezielten Suche nach
einer Substanz, die die Schizophrenie erklären kann. Im Jahr
1959 fand Payza im Papierchromatogramm an der Stelle des
Bufotenins einen malvenfarbenen Fleck, den man Mauve-Factor
nannte. 1961 wurde dieser Fleck von Irvine auch bei Schizophrenen
gefunden (17) und die dazu gehörende Form der Schizophrenie von
Hoffer und Mahon (18) und Hoffer und Osmond (19) als
Malvaria beschrieben. Interessanterweise fand sich
der Malvenfaktor aber auch bei Verwandten der schizophrenen
Patienten mit Malvaria, bei 24% der verhaitensgestörten Kinder
und bei 7-11% der normalen Bevölkerung (10, 19, 20). Die
Aufklärung der chemischen Struktur des Malvenfaktors als
Kryptopyrrol (2,4-Dimethyl-3-äthylpyrrol) gelang Irvine aber
erst 1969 nach Lösung grösserer methodischer Probleme (21,25)
und wurde 1970 von Sohler et al. bestätigt (22). Pfeiffer und
lliev, die 1972 bei einem Teil der Schizophrenen einen Mangel an
Zink mit Kupferüberschuss gefunden hatten (22), stellten dann
1973 fest, dass die Pyrrolurie zu diesem kombinierten Mangel an
Vitamin B6 und Zink führt. Kryptopyrrol verbindet sich nämlich
in vitro et vivo mit Pyridoxal-5-phosphat (der aktiven Form von
Vitamin B6) zu einer stabilen Schiff- schen Base, die dann
mit Zink komplexiert. (Abb. 1, 24). Damit werden die beiden
essentiellen Nutrienten dem Körper entzogen.
Bild einfügen
Abbildung 1: Die Bindung von Pyridoxal-5-phosphat
und Zink an Kryptopyrrol (nach Pfeiffer 1973 (24)
1974 zeigten Pfeiffer und die Mitarbeiter seines Brain Bio Center
(BBC) in Princeton dann auch, dass die pyrrolurische
Schizophrenie mit hohen Dosen von Pyridoxin und einem Zink-Supplement
sehr erfolgreich behandelt werden kann (28), dass es ferner ein
häufiges klinisches Zeichen für den latenten Zinkmangel gibt,
nämlich weisse Fleckchen auf den Nageln (Leukonychie) (29), und
Sohler, der leitende Chemiker im BBC, entwickelte zusammen mit
anderen einen photometrischen Screening-Testauf Kryptopyrrol mit
Hilfe von Ehrlichs Reagenz, der leicht durchzuführen ist (30).
In den folgenden Jahren wurden dann am BBC in Princeton, NJ USA,
und bei vielen Vertretern der Orthomolekularmedizin Patienten mit
psychischen Störungen systematisch untersucht und diese mit
einer Vitamin B6- Dependenz kombinierte, endemische, latente Form
des Zinkmangels genauer beschrieben. Die psychologischen Symptome
wurden meist durch den psychometrischen Test von Hoffer und
Osmond (HOD) quantifiziert (26, 52, 53).
[Die deutsche Version des HOD (27) liegt bei.]
Das Zink wurde im Serum und das Kryptopyrrol im Urin bestimmt und
auf dieser Basis die Behandlung pyrrolurischer Störungen von
Pfeiffer, der in Princeton allein einige tausend Patienten sah (10,
32, 33, 37), und anderen (31, 34) klinisch erprobt und validiert.
Nach eigenen Erfahrungen ist das orthomolekularmedizinische
Konzept der Pyrrolurie für Diagnose, Verständnis und Therapie
von vielen Patienten sehr wertvoll (36, 39).
Praktisches Vorgehen:
Nachdem nach den frühen Studien mindestens 10% der Bevölkerung
pyrrolurisch veranlagt sind, hat diese interessante Besonderheit
Bedeutung für einen verständigeren Umgang mit Menschen im
allgemeinen und für die praktische Behandlung eines Teils der
Patienten aller medizinischen Sparten im besondern. Die
Labordiagnose des Zinkmangels ist noch immer problematisch weil
die üblichen Werte in Serum und Haar nur bedingte Aussagen
erlauben (16) und die verläßlichen Tests der alkalischen
Phosphatase auf Gaben von Zink (41 ) und der
Zinkbindungsfähigkeit im Serum (42) in der Humanmedizin bisher
leider nicht standardisiert worden sind. Die Messung von Zink im
Schweiss, ein nützlicher und sensibler Index des Zinkstatus, ist
bisher nur in London verfügbar (54). Wegen der Instabilität des
Kryptopyrrols in wässeriger Lösung, des grossen experimentellen
Aufwands seiner chromatographischen Bestimmung, der
Unbestimmtheit des Screeningverfahrens (das ja auch Urobilinogen
mit erfasst), der mangelhaften Abgrenzung der normalen von den
pathologischen Werten und der allgemeinen Problematik
quantitativer Bestimmungen im Urin, ist auch die eindeutige
Abgrenzung der Pyrrolurie unsicher. Da auch die verschiedenen
Ansätze zur Bestimmung des Vitamin B6-Mangels noch problematisch
sind (16), stellen die meisten nutrlologisch arbeitenden Ärzte
die Diagnose der B6 & Zink - Degendenz aufgrund der typisch
pyrrolurischen Persönlichkeit. Der aktuelle Bedarf wird nach den
deutlichen klinischen Zeichen des Mangels und dem Erfolg der
Behandlung mit den beiden Nutrienten ex iuvantibus bestimmt.
Diese Behandlung ist problemfrei und sicher, wenn man folgendes
beachtet:
1. Sehr hohe Dosen von Pyridoxin stellen besonders hohe
Anforderungen an die Reinheit des Präparates.
2. Um die Umwandlung von Pyridoxin in Pyridoxal-5-Phosphat
sicherzustellen, und damit den bekanntgewordenen Neurotoxien
vorzubeugen (44) sollten mit höheren Dosen auch die Cofaktoren
dieser Umwandlung, Riboflavin und Magnesium, gegeben werden.
3. Bei mangelhafter Wirkung von Pyridoxin ist ein Versuch mit
Pyridoxal-5-phosphat angezeigt, das von amerikanischen
Herstellern auf Rezept bezogen werden kann (40).
4. Hohe Dosen von Zink über lange Zeit sind mit Mangan zu
kompensieren. 5. Patienten mit Epilepsien sollten vor der
Zinkbehandlung erst einen Monat Mangan erhalten (45).
Zeichen der Dependenz
Klinische Zeichen des aktuellen Mangels an Vitamin B6 sind vor
allem die beschriebene typische Kurzgedächtnisstörung mit
weitgehend fehlender Traumerinnerung, schlechtem (akustischen)
Namengedächtnis und Zuhörvermögen und einem Gefühl der
inneren Unruhe, Nervosität und Irritabilität, manchmal bis hin
zur Angst, in anderen Situationen auch Müdigkeit, Depression und
Schwäche. Das Verschwinden dieser Symptome mit Vitamin B6 kann
in typischen Fällen wie das Erwachen mit einem neuartigen
Wohlbefinden erbebt werden, mit Pyridoxin oral binnen 10 Minuten
oder Stunden und mit Pyridoxal-5-phosphat sublingual in Momenten.
Ein häufiges und leicht erkennbares Zeichen des Zinkmangels ist
die Leukonychie (32), das sind kleinere oder grössere weisse
Fleckchen auf den Fingernägeln, weisse Querstreifen (die bei
Frauen manchmal im Periodenrhythmus entstehen) oder weisslich
opaque Nägel, die mit Zinkbehandlung sicher verschwinden (die
kleinen) oder in 5-6 Monaten herauswachsen (die grossen) und
nicht neu entstehen. Die Leukonychie ist ein häufiges Zeichen
des Zinkmangels, allerdings mit falschem Positiva, denn auch
Albuminmangel (unter 2.2 mg% z.B. bei Nephrose) und
Kupferüberschuss (der bei Zinkmangel eintritt und mit
Zinkbehandlung vergeht) sowie Traumata sind Faktoren. Für
Pyrrolurie ist sie sehr charakteristisch, aber es gibt auch
Menschen mit Pyrrolurie, die keine Fleckchen haben, oder sie nur
aus jungen Jahren erinnern. Man kann aber bei Begegnungen im
Alltag auf die Fleckchen achten und die Verhaltensweisen
vergleichen, um ein anschaulich konsistentes Bild der besonderen
Eigenart dieser Rasse mit Fleckchen zu gewinnen.
Weitere Zeichen des Zinkmangels (47, 55) sind brüchige Nägel,
Querfurchen an den Nägeln, Haarausfall und struppige Haare,
ferner Striae der Haut an Hüften, Schenkeln, Abdomen und
Schultergürtel, die wie Rückenschmerzen und Gelenkschmerzen an
Knie und Hüfte, Morbus Schlatter und Perthes damit
zusammenhängen, dass beim Aufbau von kollagenen und elastischen
Fasern Zink-Metalloenzyme beteiligt sind. Vielleicht kann man mit
Zinksupplementen die Entstehung von Schwangerschaftsstreifen
verhindern. Ein wichtiges Zeichen des Zinkmangels sind auch
Geschmacksstörungen, die signifikant mit dem Zinkmangel
korrelieren (43) und zu Appetitlosigkeit bis hin zur und Anorexie
(46) führen können. Eine schlechte Futterverwertung, Gedeih-
und Wachstumsstörungen stehen damit in Zusammenhang.
Verzögertes Wachstum, verzögerte sexuelle Reife bei Knaben und
Amenorrhoe und Anovulation bei Frauen kommen vor. Weitere Zeichen
des Zinkmangels sind Nachtblindheit, unsichere Unterscheidung von
rechts und links, eine legasthenische Tendenz, deutlich
verminderte zelluläre und humorale Immunität und schlechte
Wundheilung. In der Schwangerschaft kann es zu Nausea, Ödemen
und Eklampsie und in schweren Fällen zu Missbildungen kommen.
Offene Fragen
Bei den Versuchen, die von Pfeiffer beschriebenen Zusammenhänge
zwischen Kryptopyrrol, der kombinierten Vitamin B6- und Zink-Defizienz
und den beobachteten Symptomen genauer zu klären, sind eine
Reihe von Unstimmigkeiten und offenen Fragen aufgetreten. Nach
Gorchein (56) kann man KP nicht als den ursächlichen Faktor
einer Schizophrenie betrachten, sein Auftreten ist aber immer mit
irgendeiner Form von Psychose verbunden. KP tritt bei den
hepatischen Porphyrien, wie bei der akuten intermittierenden P,
der P cutanea tarda und der P variegata, mit neurologischen und
psychischen Symptomen auf, bei akuten und chronischen
Schizophrenien, aber auch bei 10% der normalen
Kontrollpersonen. Hoffer und Osmond (19) diagnostizieren bei
Menschen, die KP ausscheiden eine Malvaria, aber wie
will man eine solche Klassifizierung bei den 200 Patienten
vornehmen, deren Kryptopyrrolausscheidung nach dem Screening-Verfahren
mit Ehrlichss Reagenz die folgende Abbildung Zeigt,
insbesondere wenn die Diagnosen und Symptome keine eindeutigen
Zusammenhänge mit den Messungen erkennen lassen (57)?
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KP |
| |
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mcg/dl |
| 0 |
- |
< |
10 |
- |
35 |
| 10 |
- |
< |
20 |
- |
52 |
| 20 |
- |
< |
30 |
- |
53 |
| 30 |
- |
< |
40 |
- |
25 |
| 40 |
- |
< |
50 |
- |
15 |
| 50 |
- |
< |
75 |
- |
10 |
| 75 |
- |
< |
100 |
- |
4 |
| |
|
> |
100 |
- |
6 |
Abbildung 2: Kryptopyrrol im Urin von 200
ausgewählten Patienten (Quelle: Dr. Roman Lietha (57)
In Bezug auf die Herkunft des Kryptopyrrols sind verschiedene
Mechanismen diskutiert worden (35): Sohler, Pfeiffer et al.
dachten an eine Überproduktion von Pyrrolen, bei der das KP
über eine stressinduzierte Erhöhung der Permeabilität in den
allgemeinen Kreislauf gelangt (30); auch Ward sieht den Stress
als wichtigen Faktor (31); Pepplinkhuizen et al. beobachteten
eine erhöhte Synthese von Porphyrin und Pyrrolen bei Psychosen
und im Stress (58) aber Durko et al. konnten beim Stress durch
Hämodialyse keine Erhöhung der KPAusscheidung beobachten (35).
in Bezug auf die enzymatischen Mechanismen der Fehlsynthese kann
man eine Reihe von publizierten Hypothesen sammeln (57), aber
sehr viele Daten sprechen für KP als Degradationsprodukt des
Häm (35).Während somit schon die qualitativen Untersuchungen
und Hypothesen kein klares Bild der Wirkung von Kryptopyrrol auf
Vtamin B6 und Zink geben können, überzeugt vor allem das
quantitative Argument von Alan Gaby, dass die Mengen von KP, um
deren Ausscheidung es hier geht, niemals einen Bedarf von
Megadosen von Vitamin B6 erklären können. Nachdem aber an dem
weit verbreiteten Bedarf an Vitamin B6 und Zink kein Zweifel
bestehen kann, und in vielen Fällen tatsächlich erst sehr hohe
Dosen von B6 eine optimale Wirkung zeigen, sieht Gaby eher die
weite Verbreitung von B6-Antivitaminen und die Möglichkeit einer
Enzyminduktion mit hohen Dosen von Vitamin B6 als Erklärung an (11,
15). Damit wird zwar die Erklärung über das Kryptopyrrol zu
einem Modell relativiert, aber nicht die ohnehin empfohlene
Methode der Bestimmung des Bedarfs an Vtamin B6 und Zink ex
iuvantibus. Um in diesem Sinne noch einige Sicherheit zu
vermitteln, soll im folgenden auf eine Fülle von Kryptopyrrol-unabhängigen
Untersuchungen zum Mangel an Vitamin B6 und/oder Zink hingewiesen
werden.
Lernstörungen und Legasthenie
In jüngerer Zeit sind sehr enge Zusammenhänge zwischen
Zinkmangel und Lernstörungen infolge Legasthenie aufgedeckt
worden (49). Da diese Störungen sich bei Zinkmangel in der
Schwangerschaft als Entwicklungsstörung der retinokortikalen
Bahnen manifestieren (50), ist ein enger Zusammenhang mit der
Pyrrolurie anzunehmen. Die Legasthenie tritt bei Knaben dreimal
häufiger auf als bei Mädchen, was mit dem höheren Zinkbedarf
zur Bildung von Testosteron erklärt werden kann. In
Förderschulen finden sich auffallend viele Kinder mit weissen
Fleckchen auf den Nägeln und man kann bei diesen Kindern durch
Supplementierung mit Zink und Vitamin B6 fast immer einen
Fortschritt und zuweilen dramatische Erfolge beim Lesen und
Lernen erzielen (51). Man findet bei legasthenischen Kindern auch
höhere Werte der toxischen Metalle Cadmium, Blei, und
Quecksilber (50), die nach vielen Untersuchungen in engem
Zusammenhang mit Lernstörungen stehten (16).
Vit. B6 und Zink bei 100 Krankheiten
Eine sehr gute Übersicht über die Bedeutung von Vitamin B6 und
Zink bei weiteren Krankheiten und Syndromen kann man aus dem Buch
von Werbach gewinnen, der die klinische nutriologische Literatur
nach Nahrung und Nutrienten und ihrem Einfluss auf Krankheiten
durchforstet hat (16). Tabelle 1 gibt einen Überblick über die
Bedeutung, die man aus den Ergebnissen der von Werbach
referierten klinischen Forschungsarbeiten für die beiden hier
besprochenen Nutrienten Vitamin B6 und Zink abschätzen kann.
Nach diesen Schätzungen haben, um einige Beispiele
herauszugreifen, Vitamin B6 und Zink für den Verlauf und das
Ergebnis einer Schwangerschaft, für die Pyrrolurie (bei den
Schizophrenen) und die Legasthenie (bei den Lernstörungen) beide
eine erstrangige, für die Immundefizienz, die Infertilität,
für Lernstörungen und Schizophrenen allgemein, und für das
Ulcus pepticum beide eine zweitrangige Bedeutung. Ferner ist
Vitamin B6, nicht aber Zink, für die Behandlung des
prämenstruellen Syndroms und das Karpaltunnel-Syndrom von
erstrangiger Bedeutung, und Zink, nicht aber Vitamin B6, für die
Behandlung von Essstörungen (Anorexie). Die Tabelle kann hier
nur ungefähre Anhaltspunkte geben und das Studium der
Erfahrungsberichte natürlich nicht ersetzen. Man kann daran aber
ersehen, dass Zink mit 53% und Vitamin B6 mit 48%, beide also
etwa bei der Hälfte der Krankheiten eine Rolle spielen, für die
sich überhaupt nutriologische Therapien finden liessen, beide
zusammen bei 30%, d.h. etwas häufiger, als zu erwarten wäre,
wenn sie voneinander unabhängig wären.
Therapeutische Nebenwirkungen
Die aufgeführten Krankheiten und Syndrome treten nicht
unabhängig voneinander auf und man wird häufiger feststellen
können, dass es bei Behandlung einer Krankheit A (z.B.
prämenstruelles Syndrom) auch zu einer Besserung der Krankheiten
B und C kommen kann (z.B. Akne vulgaris und Ödeme). Im Gegensatz
zu vielen xenobiotischen Medikamenten sind die
Nebenwirkungen der Behandlung mit Zink und Vitamin B6
so gut wie ausschliesslich erfreulicher Natur. Das liegt daran,
dass von beiden Nutrienten je etwa zweihundert Enzyme abhängig
sind oder reguliert werden (vergl. Zink-Metallcenzyme unten).
Sicherlich sind Pyroluriker von manchen dieser Störungen
besonders häufig und schwerer betroffen. Umgekehrt sind diese
dann durch Gaben von Vitamin B6 und Zink oft besonders gut zu
beeinflussen. Man wird aber in allen Fällen genauer prüfen
müssen, welche anderen nutriologischen Massnahmen bei den
aufgeführten Krankheiten noch heilsam sind (16), denn Nutrienten
arbeiten besser zusammen.
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Ausgewhälte Zink-Metalloenzyme in Publikationen über Zink (47)
1. nach Enzymklassen: Oxydoreduktasen: 01) Alkohol-Dehydrogenase(Alkoholvergiftung,
Sehstörung), 02) Lactat-Dehydrogenase. 03) Malat-Dehydrogenase (Zitronensäurezyklus),
04) Glycerinaldehydphosphat-Dehydrogenase, 05) Glutamat-Dehydrogenase
(verminderte Aktivität im Gehirn), 06) Superoxid-Dismutase (reduziert);
Transferasen: 07) Aspartat Transcarbamylase, 08) Ornithin-Carbamyltransferase(
Hyperammonömie, hepatische Enzephalopathie), 09) RNA-Polymerase
(Schlüsselenzym, Nukleinsäurestoffwechsel), 10) DNA-Polymerase
(Schlüsselenzym, Nukleinsäurestoffwechsel, neuerdings
bezweifelt), 11) Phosphoglucomutase,12) reverseTranskriptase (Schlüsselenzym,
Nukleinsäurestoffwechsel), 13) terminale
Desoxynucleotidtransferase; Hydrolasen: 14) Alkalische
Phosphatase (Zn-Mangelindikator, Anhäufung von Metaboliten, im
Gehirn vermindert, Wachstumsstörung),15) 5Nucleotidase (Zn-Mangelindikator),
16) Fructose-1,6-biphosphatase, 17) Phosphodiesterase, 18)
Phospholipase C, 19) a-Amylase, 20) a-Mannosidase, 21)
Aminotripeptidase, 22) Leucin-Aminopeptidase, 23) Dipeptidase, 24)
Angiotensin-converting-Enzym, 25) Carboxypeptidase A (Painkreas -65%,
Ausbleiben der Proteinsynthese), 26) Carboxypeptidase B, 27)
Elastase, 28) neutrale Protease, 29) Kollagenase, 30)
Aminoacylase, 31) AMP-Desaminase, 32) AMP-Aminohydrolase, 33)
Pyrophosphatase; Lyasen: 34) Fructose-1,6-biphosphat-aldolase, 35)
Carboanhydrase (bedingter Zn- Mangelindikator, Acidose), 36) d-Aminolävulinsäure-Dehydratase
(-47% im Blut, Häm-Synthesestörung), 37) GT Glyoxalase l;
Isomerasen: 38) Phosphomannose-lsomerase; Ligasen: 39) +RNA-Synthetase,
40) Pyruvatcarboxylase;
nicht klassifiziert:
41) Thymidin-Kinase (Schlüsselenzym, Nukleinsäuresynthese,verminderte
Aktivität im Gehirn), 42) Ribonuklease (Schlüsselenzym,
Nukleinsäurekatabolismus, bei Zn-Mangel regulativ erhöht), 43)
Pyridoxalkinase (ATP-abhängig, phosphoryliert Pyridoxol &
Pyridoxal), 44) Dopamin-B-Hydroxylase, 45) 2'- 3zyklisches
Nukleotid, 46) 3-Phosphohydrolase (verminderte Aktivität im
Gehirn), 47) Phenyläthanolamin-NMethyltransferase (verminderte
Aktivität im Gehirn), 48) Glutaminsynthetase (verminderte Akt.
im Muskel, Glutamin vermindert, Anstieg von Ammoniak), 49) Ca
abhängige ATPase (Störungen des Zellstoffwechsels, der
interzellulären Kommunikation, durch Zn inhibiert), 50)
Nukleosidphosphorylase (Lymphozyten), 51) Cysteaminoxygenase, 52)
Arginase (Zn-aktiviert), 53) Enolase (Zn-aktiviert), 54) Glutamat-Dekarboxylase
(Zn-gehemmt), 55) Propylhydroxilase (eisenabhängig, Hemmung
durch Zn ist antifibrotisch), 56) Lysiloxidase (Cu-abhängig,
benötigt B6, das bei Zinkmangel nicht phosphoryliert wird), 57)
Gustin (in Geschmacksknospen).
2. alphabetisch: 39) +RNA-Synthetase, 19) a-Amylase, 20) a-Mannosidase,
36) d-Aminolävulinsäure- Dehydratase, 45) 2'-3zyklisches
Nukleotid, 46) 3-Phosphohydrolase, 15) 5'Nueleotidase, 14)
Alkalische Phosphatase, 01) Alkohol-Dehydrogenase, 30)
Aminoacylase, 36) d-Aminolävulinsäure-Dehydratase, 21)
Aminotripeptidase, 32) AMP-Aminohydrolase, 31) AMP-Desaminase, 19)
a-Amylase, 24) Angiotensin-converting- Enzym, 52) Arginase, 07)
Aspartat Transcarbamylase, 49) Ca abhängige ATPase, 35)
Carboanhydrase, 25) Carboxypeptidase A, 26) Carboxypeptidase B,
51) Cysteamin-oxygenase, 13) Desoxynucleotidtransferase (terminale),
23) Dipeptidase, 10) DNA-Polymerase, 44) Dopamin-b-Hydroxylase,
27) Elastase, 53) Enolase, 34) Fructose-1,6-biphosphat-aldolase,
16) Fructose-1,6-biphosphatase, 06) Glutamat-Dehydrogenase, 54)
Glutamat- Dekarboxylase, 48) Glutaminsynthetase, 04)
Glycerinaldehydphosphat-Dehydrogenase, 37) GT Glyoxalase I, 57)
Gustin, 29) Kollagenase, 02) Lactat-Dehydrogenase, 22) Leucin-Aminopeptidase,
56) Lysiloxidase, 03) Malat- Dehydrogenase, 20) a-Mannosidase, 15)
5'Nucleotidase, 28) neutrale Protease, 50) Nukleosidphosphorylase,
08) Ornithin-Carbamyl-transferase, 47) Phenyläthanolamin-N-Methyltransferase,
17) Phosphodiesterase, 11) Phosphoglucomutase, 46) 3-Phosphohydrolase,
18) PhospholipaseC, 38) Phosphomannose-lsomerase, 55)
Propylhydroxilase, 28) Protease (neutrale), 43) Pyridoxalkinase,
33) Pyrophosphatase, 40) Pyruvat-carboxylase,
12) reverse Transkriptase, 42) Ribonuklease, 09) RNA-Polymerase,
39) +RNA-Synthetase, 05) Superoxid- Dismutase, 13) terminale
Desoxynucleotidtransferase, 41) Thymidin-Kinase, 12)
Transkriptase (reverse), 45) 2'- 3zyklisches Nukleotid.
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